Konfrontationsübungen in VR2018-11-08T15:37:00+00:00

Konfrontationsübungen in virtueller Realität

Virtuelle Realität erlaubt es, den Umgang mit angstauslösenden Situationen in einem geschützten Rahmen zu üben. Während der Konfrontationsübungen können Patienten die Erfahrung machen, dass gefürchtete Konsequenzen nicht eintreten und sie mit Ihrer Angst umgehen können. Die Wirksamkeit der Angstexposition in virtueller Realität, auch Virtual Reality Exposure Therapy (VRET) genannt, konnte bereits in einer Vielzahl an Studien gezeigt werden  (ausgewählte Publikationen nachfolgend). Auch die Sicherheit der VRET wurde in einer im Journal of Anxiety Disorders veröffentlichten Studie untersucht. Die Autoren zeigen, dass Verschlechterungen der Symptomatik durch eine VRET weniger häufig auftreten als bei einer Placeobgruppe und Nebenwirkungen selten sind. Laut der S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen sollte Patienten mit einer spezifischen Phobie Expositionsübungen in virtueller Realität angeboten werden,  wenn eine in-vivo Exposition nicht verfügbar oder möglich ist. An ausgewählte Einrichtungen der Therapieforschung wird die Angstkonfrontation in virtueller Realität bereits durchgeführt. Eine Auswahl in Frage kommender Psychotherapeutischer Ambulanzen, sowie der zur Zeit verfügbaren Szenarien finden Sie nachfolgend auf dieser Seite.

Expositionsszenarien

Höhenangst

Personen mit Höhenangst können bei einer Exposition in virtueller Realität den Umgang mit Höhensituationen üben. Trotz auftretender negativer Gefühle (z. B. Angst, Schwindel, Unsicherheit, Beklemmungsgefühle) sind Personen in der Lage sich sicher durch die Höhensituationen zu bewegen (d. h. ohne den Halt zu verlieren oder zu stürzen). Durch diese Erfahrung lernen Personen mit Höhenangst den Umgang mit Höhensituationen und entwickeln eine Selbstwirksamkeit beim Aufsuchen neuer Höhensituationen.

Flugangst

Bei bestehender Flugangst werden Flüge komplett vermieden oder nur unter großer Angst durchgestanden. Flugangsttherapie in virtueller Realität bietet die Möglichkeit den Umgang mit negativen Gefühlen (z. B. Herzrasen, Schwitzen) und Gedanken (z. B. Flugzeugabsturz) vor und während eines Flugs zu üben. Bei der Konfrontationstherapie wird gelernt, dass automatisch auftretenden negativen Reaktionen bei Flugangst kein Zeichen dafür sind, dass während eines Flugs etwas passieren wird.

Tierphobien – Spinnen, Vögel

Bei Konfrontationsübungen gegen Spinnenangst in virtueller Realität erleben Patienten, dass die unangenehmen Reaktionen bei der Exposition mit einer Spinne (z. B. intensive Furcht, Herzrasen, Schwitzen, Ekel) nicht bis ins Unermessliche ansteigen, sondern nach einer gewissen Zeit automatisch nachlassen. Das schrittweise Annähern an Spinnen und das wiederholte Erleben des Rückgangs der Angst führt zu einem Lernprozess im Gehirn, infolge dessen Situationen mit Spinnen zunehmend weniger Angst auslösen.

Tierphobie ist eine spezifische Phobie, die sich auf Lebewesen bezieht. Hierbei leidet der Betroffene unter der Angst vor dem jeweiligen Tier, obwohl er gelernt hat, dass das Tier ungefährlich ist. Symptome reichen hier von leichtem Unbehagen bis zu panischer Angst. Typisch bei Tierphobie sind die Erwartungsangst und die Vermeidung als Bewältigungsstrategie. Mit virtueller Realität besteht die Möglichkeit angsteinflößende Situationen und Lebewesen nachzustellen und schrittweise durch behutsame Exposition die Angst zu verringern.

Vortragsangst

Vortragssituationen, wie beispielsweise eine Präsentation zu halten, können mit unangenehmen Reaktionen (z. B. Herzrasen, Schwitzen, Beklemmungsgefühle, Angst negativ bewertet zu werden) einhergehen. Bei einer Konfrontationstherapie in virtueller Realität kann der Umgang mit solchen Situationen und den dabei auftauchenden Gedanken und Gefühlen geübt werden. Durch das gezielte Aufsuchen der gefürchteten Situationen können korrigierende Erfahrungen gemacht werden (z. B. Angstgefühle nehmen mit der Zeit ab, trotz Angst kann ein Vortrag gehalten werden), welche zu einem längerfristigen Rückgang der Angst führen.

Sozialangst – Bürosituation

Die virtuelle Umgebung bietet ein Großraumbüro mit sechs Arbeitsplätzen, fünf virtuellen Kollegen und einem eigenen Arbeitsplatz zur Durchführung von Aufgaben. Über einen Flur sind zwei weitere Räume begehbar.
Der Übungsleiter kann den Arbeitsplatz, das Verhalten der Bürokollegen und einer Assistentin beeinflussen.

Behandlungseinrichtungen

VTplus VR-Expositionssysteme werden in der Psychotherapie-Forschung unter anderem an folgenden Standorten eingesetzt

Hochschulambulanz Universität Würzburg

Hochschulambulanz für Psychotherapie der Universität Würzburg

Die Hochschulambulanz für Psychotherapie nutzt an der Universität Würzburg entwickelte virtuelle Welten in Verbindung mit dem Simulationssystem „CS-Research“ zur Unterstützung der Angsttherapie, im Besonderen bei der Behandlung von Flugangst mit einem Bewegungssimulator. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Hochschulambulanz. Weitere Informationen ›

Hochschulambulanz Universität Regensburg

Universität Regensburg Hochschulambulanz

Am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Regensburg wird das VR-Simulationssystem zur Optimierung der empirischen Forschung in den Forschungsgebieten Klinische Psychologie, Psychotherapie und Sicherheitsforschung eingesetzt.

Technische Universität Dresden

Spezialambulanz für Angststörungen der TU-Dresden

Die Institutsambulanz für Psychotherapie der TU Dresden › verzahnt Forschung und Therapie psychischer Störungen. Die Angstambulanz besteht seit 2014. Ihre Forschung wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, was eine Teilnahme fast ohne Wartezeiten ermöglicht. An der Studientherapie können Menschen mit mittelschweren bis schweren Angstbeschwerden wie Panikattacken, sozialen Ängsten oder Phobien teilnehmen. Weitere Informationen ›

Informationen für Patienten

Die aufgeführten Therapieeinrichtungen führen neben ihren staatlichen Aufträgen zur ambulanten Psychotherapie, zur Therapieausbildung wissenschaftliche Untersuchungen und Studientherapien im Bereich der Psychotherapieforschung durch. Für Betroffene von Angststörungen besteht die Möglichkeit im Rahmen von Studien an einer Behandlung auch unter Einsatz von virtueller Realität zu profitieren. Zur Klärung ob es sich bei Ihren Beschwerden um eine Angsterkrankung handelt und welche Therapiemöglichkeiten in Frage kommen kontaktieren Sie bitte die Aufnahme der jeweiligen Hochschulambulanz.

Publikationen

Herrmann, M., Katzorke, A., Busch, Y., Gromer, D., Polak, T., Pauli, P. & Deckert, J. (2017). Medial prefrontal cortex stimulation accelerates therapy response of exposure therapy in acrophobia. Brain Stimulation, Volume 10, Issue 2, Pages 291-297. doi: 10.1016/j.brs.2016.11.007

Shiban, Y., Diemer, J., Müller, J., Brütting-Schick, J., Pauli, P. & Mühlberger, A. (2017). Diaphragmatic breathing during virtual reality exposure therapy for aviophobia: functional coping strategy or avoidance behavior? a pilot study. BMC Psychiatry, 17:29. doi:  10.1186/s12888-016-1181-2

Peperkorn, H. M., Diemer, J. E., Alpers, G. W., & Mühlberger, A. (2016). Representation of patients’ hand modulates fear reactions of patients with spider phobia in virtual reality. Frontiers in psychology, 7, 268. doi: 10.3389/fpsyg.2016.00268

Shiban, Y., Peperkorn, H., Alpers, G., Pauli, P. & Mühlberger, A. (2016). Influence of perceptual cues and conceptual information on the activation and reduction of claustrophobic fear. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry.(2016) Volume 51, Pages 19-26. doi: 10.1016/j.jbtep.2015.11.002

Peperkorn, H. M., Alpers, G. W., & Mühlberger, A. (2014). Triggers of fear: perceptual cues versus conceptual information in spider phobia. Journal of clinical psychology, 70(7), 704-714. doi: 10.1002/jclp.22057

Diemer, J., Domschke, K., Mühlberger, A., Winter, B., Zavorotnyy, M., Notzon, S., Silling, K., Arolt, V. and Zwanzger,   P. (2013). Acute anxiolytic effects of quetiapine during virtual reality exposure—A double-blind placebo–  controlled trial in patients with specific phobia. European Neuropsychopharmacology, 23, 1551–  1560. doi: 10.1016/j.euroneuro.2013.01.001

Shiban, Y., Pauli, P., & Mühlberger, A. (2013). Effect of multiple context exposure on renewal in spider phobia. Behaviour   Research and Therapy, 51, 68-74. DOI: 10.1016/j.brat.2012.10.007

Mühlberger, A., Sperber, M., Wieser, M. J., Pauli, P. (2008). A virtual reality behavior avoidance test (VR-BAT) for the   assessment of spider phobia. Journal of CyberTherapy & Rehabilitation 1,2.

Mühlberger, A., Weik, A., Pauli, P. & Wiedemann, G. (2006). One-session virtual reality exposure treatment for fear of   flying: one year follow-up and graduation flight accompaniment effects.Psychotherapy Research. 16, 26-40.

Mühlberger, A., Petrusek, S., Herrmann, M. J. & Pauli, P. (2005). Biocyberpsychologie: Subjektive und physiologische   Reaktionen von Flugphobikern und Gesunden bei Exposition mit virtuellen Flügen [Biocyber psychology:   subjective and physiological reactions in flight phobics and normal subjects during flight simulations]. Zeitschrift   für Klinische Psychologie und Psychotherapie. 34, 133-143.

Mühlberger, A., Wiedemann, G. & Pauli, P. (2005). Subjective and physiologic reactions of flight phobics during VR   exposure and treatment outcome: What adds motion simulation? Annual Review of CyberTherapy and   Telemedicine: A decade of VR, 3, 185-192.

Mühlberger, A., Wiedemann, G. and Pauli, P. (2003). Efficacy of a one-session virtual reality exposure treatment for fear   of flying. Psychotherapy Research, 13(3), 323-336.

Mühlberger, A., Herrmann, M. J., Wiedemann, G., Ellgring, H. & Pauli, P. (2001). Repeated exposure of flight phobics to   flights in virtual reality. Behaviour Research and Therapy, 39, 1033-1050.

Metaanalysen

Fernández-Álvarez, J., Rozental, A. , Carlbring, P. , Colombo D. , Riva, G. , L. Anderson, P. , María Baños, R. , A. Benbow A. , Bouchard, S. , María Bretón López, J., Cárdenas, G. , Difede J., Emmelkamp P., García-Palacios, A. , Guillén, V. , Hoffman, H. , Kampann, I., Moldovan, R., Mühlberger, A. , North, M. , Pauli, P., Peñate Castro, W., Quero, S., Tortella-Feliu, M., Wyka, K., Botella, C., (2018). Deterioration rates in Virtual Reality Therapy: An individual patient data level meta-analysis. Journal of Anxiety Disorders. doi: 10.1016/j.janxdis.2018.06.005

Gregg, L., & Tarrier, N. (2007). Virtual reality in mental health: A review of the literature. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 42(5), 343–354. doi: 10.1007/s00127-007-0173-4

Morina, N., Ijntema, H., Meyerbröker, K., & Emmelkamp, P. M. G. (2015). Can virtual reality exposure therapy gains be generalized to real-life? A meta-analysis of studies applying behavioral assessments. Behaviour Research and Therapy, 74, 18–24. doi: 10.1016/j.brat.2015.08.010

Opriş, D., Pintea, S., García-Palacios, A., Botella, C., Szamosközi, Ş., & David, D. (2012a). Virtual reality exposure therapy in anxiety disorders: A quantitative meta-analysis. Depression and Anxiety, 29(2), 85–93. doi: 10.1002/da.20910

Parsons, T. D., & Rizzo, A. A. (2008a). Affective outcomes of virtual reality exposure therapy for anxiety and specific phobias: A meta-analysis. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 39(3), 250–261. doi: 10.1016/j.jbtep.2007.07.007

Powers, M. B., & Emmelkamp, P. M. G. (2008). Virtual reality exposure therapy for anxiety disorders: A meta-analysis. Journal of Anxiety Disorders, 22(3), 561–569. doi: 10.1016/j.janxdis.2007.04.006