Therapie mit Virtueller Realität (Konfrontations- und Verhaltensübungen)

Virtuelle Realität erlaubt es, den Umgang mit angstauslösenden Situationen in einem geschützten Rahmen zu üben. Durch Angst-Konfrontation in virtueller Realität können Patienten im Rahmen einer Therapie die Erfahrung machen, dass gefürchtete Konsequenzen nicht eintreten und sie mit ihrer Angst umgehen können. Die Wirksamkeit der Angstexposition in virtueller Realität, auch Virtual Reality Exposure Therapy (VRET) genannt, konnte bereits in einer Vielzahl an Studien gezeigt werden  (siehe Publikationen). Auch die Sicherheit der VRET wurde u.a. in einer im Journal of Anxiety Disorders veröffentlichten Studie untersucht. Die Autoren zeigen, dass Verschlechterungen der Symptomatik durch eine VRET weniger häufig auftreten als bei einer Placebogruppe und Nebenwirkungen selten sind. Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen ›› empfiehlt für die Behandlung von spezifischen Phobien Expositionsübungen in virtueller Realität,  wenn eine in-vivo Exposition nicht verfügbar oder möglich ist. Eine Auswahl von Behandlungseinrichtungen, welche bereits virtuelle Realität einsetzen, sowie eine Auswahl verfügbarer virtueller Situationen (Expositionsszenarien) finden Sie nachfolgend gelistet.

Expositionsszenarien

Höhenangst

Personen mit Höhenangst können bei einer Exposition in virtueller Realität den Umgang mit Höhensituationen üben. Trotz auftretender negativer Gefühle (z. B. Angst, Schwindel, Unsicherheit, Beklemmungsgefühle) sind Personen in der Lage, sich sicher durch die Höhensituationen zu bewegen (d. h. ohne den Halt zu verlieren oder zu stürzen). Durch diese Erfahrung lernen Personen mit Höhenangst den Umgang mit Höhensituationen und entwickeln eine Selbstwirksamkeit beim Aufsuchen neuer Höhensituationen.

Flugangst

Bei bestehender Flugangst werden Flüge komplett vermieden oder nur unter großer Angst durchgestanden. Flugangsttherapie in virtueller Realität bietet die Möglichkeit den Umgang mit negativen Gefühlen (z. B. Herzrasen, Schwitzen) und Gedanken (z. B. Flugzeugabsturz) vor und während eines Flugs zu üben. Bei der Konfrontationstherapie wird gelernt, dass automatisch auftretende negative Reaktionen bei Flugangst kein Zeichen dafür sind, dass während eines Flugs etwas passieren wird.

Tierphobien – Vögel

Tierphobie ist eine spezifische Phobie, die sich auf Lebewesen bezieht. Hierbei leidet der Betroffene unter der Angst vor dem jeweiligen Tier, obwohl er gelernt hat, dass das Tier ungefährlich ist. Symptome reichen hier von leichtem Unbehagen bis zu panischer Angst. Typisch bei Tierphobie sind die Erwartungsangst und die Vermeidung als Bewältigungsstrategie. Mit virtueller Realität besteht die Möglichkeit angsteinflößende Situationen und Lebewesen nachzustellen und schrittweise durch behutsame Exposition die Angst zu verringern.